Borgiflieger

maximalen Außenmaßen entsprach. Noch ein wenig Pappe auf die Leisten und Wolly konnte auf die große Reise gehen. Nicht ferngesteuert aber zielsicher zum neuen Besitzer. Die restlichen Sachen wie die Fernbedienung wurden noch schnell zu Geld gemacht und diverse Kleinteile verschwanden auf dem Dachboden. Das Jahr 2003 nahm also ein unrühmliches Ende was mein Hobby anging.
Die Jahre vergingen ohne wirklich das Interesse am Modellfliegen zu verlieren. Man schaute sich immer wieder diverse Sendungen im Fernsehen an und surfte beiläufig auf diverse Seiten zum Thema der ferngesteuerten Kisten. Es hat mich nicht wirklich losgelassen. Was hat man damals nur verkehrt gemacht?
Ich kam zum Entschluss, dass ich nicht das richtige Modell gewählt hatte. Ich hatte schließlich ein Modell was zum Starten ausgiebig Platz benötigte und des Weiteren war ich ein ungeübter Anfänger der natürlich noch mehr Platz benötigte. Ein Senkrechtstarter muss her - also ein Hubschrauber. Die sind ja auch aus technischer Sicht interessanter. Dieses Mal sollte es ein Elektroflieger sein. Man sucht im Netz und stößt auf eine Marke an der man sich festbeißt. Das Zauberwort ist „Align“ eine Marke aus dem Asiatischen Bereich unserer Erde. Die Teile sind auch noch bezahlbar, stellte ich fest und war gleich Feuer und Flamme. Eine Funke muss es auch noch sein und auch hier habe ich mich auf die Mehrheit verlassen und zu der Marke Futaba gegriffen. Die Funke wurde neu bestellt und der Hubschrauber als gebrauchter ersteigert. Meine Frau fand die Idee nicht so toll und glaubt, dass manche halt mehrmals auf die Nase fallen müssen. Er kann ja alles wieder verkaufen, wenn es so kommt wie es kommen muss, dachte sie wohl.
Diesmal wollte ich das ganze professioneller angehen. Ich entschied mich auch für einen Simulator, an dem ich erst mal üben kann. Dieses Mal sollte es ein „happy End“ geben wo ich freudestrahlend in den Sonnenuntergang steuerte oder so…
Der Hubschrauber wurde geliefert, ein Aligen 450Sport in einem Top Zustand so mein erster Eindruck. Der Verkäufer machte auch klar, dass dieser Hubi von einem Profi zusammengebaut wurde. Es war ein Heli aus österreichischem Besitz. Die Funke wurde neu gekauft bei einem Onlinehändler und auch innerhalb drei Tage geliefert. Die Simulator Software kam auch aus dem Auktionshaus und hörte auf den Namen „Reflex XTR2“ und stellt das Maß aller Dinge da. Jetzt hatte ich mal wieder einen Haufen Geld auf den Tisch gelegt für diesen ollen Kindheitstraum.
Am beeindrucktesten empfand ich aber die Lieferung meines neuen Fliegers. Da stand er auf meinem Wohnzimmertisch. Auf einem dieser kleinen Holztische die in der Höhe verstellbar sind und zu einer großen Tafel ausgezogen werden können. Der Tisch befand sich aber in seiner Kleinstgröße und lies den Hubschrauber gigantisch wirken. Die Mechanik eines solchen Modellhubschraubers kann einem Feinwerkmechanikermeister schon begeistern. Verstanden habe ich die Funktionsweise nur zum Teil durch reichlich Recherche im Netz. Mein Optimismus war ungebrochen. Der zweite Anlauf muss einfach klappen. Ich habe in jeder freien Minute am Simulator geübt und festgestellt, dass so ein Hubschrauber was ganz anderes ist. Einer hat mal beschrieben, wie es ist einen Hubschrauber zu steuern. Man balanciert einen Ball auf einem Ball. Ich glaube man kann das nicht besser beschreiben. Ein Hubschrauberpilot ist permanent damit beschäftigt das Teil stabil in der Luft zu halten. Man lernt schnell richtig zu reagieren. Man bekommt ein Gefühl dafür wohin er ausbrechen will und steuert immer schnell gegen. Bis hierher ist es ein steiniger Weg. Man ist soweit, wenn man über das was man tut nicht mehr nachdenken muss. Diesen Punkt glaube ich erreicht zu haben und nahm meine mittlerweile eingestellten Hubschrauber mit auf das erste abheben. Ich entschied mich wieder für die Kasernenzufahrtsstraße einer stillgelegten Anlage. Meine Frau war natürlich auch mit von der Partie. Das Auto wurde seitlich an der Straße geparkt, der Hubi wurde mit seinen weißen Kufen auf den Asphalt gestellt. Es war mal wieder Sommer und alles begann von vorne wie damals 2003 nur mit dem Unterschied, dass wir nun 2011 haben. Meine Hände zitterten, wie ich die Fernsteuerung aus dem Kofferraum holte. Man war ich aufgeregt. Mein Puls raste und mein Hals war trockener wie die Wüste Gobi. Meine Frau sagte nur „Jetzt bin ich aber mal gespannt“. Mit zittrigen Fingern schaltete ich die Fernsteuerung ein. Prüfte alle Schalter die ich programmiert hatte auf ihre richtige Stellung. Ich ging im Kopf eine Checkliste durch die ich schon tausendmal geprobt hatte vor meinem geistigen Auge. Nun kamen die Akkus in den Hubschrauber. Die Akkustecker wurden mit dem Heli verbunden und der Empfänger quittierte dieses mit einem lauten Piepen. Das Teil ist scharf gemacht. Erst jetzt


Seite 1/2/3/4/5/6/7/8

 

Das bin Ich / Wie alles anfing