Borgiflieger

bemerkte ich, dass wir dieses Mal allein sind. Keine Schaulustigen die Fragen, ob der auch Fliegen kann.
Ich stülpte die Kunststoffhaube wieder über den vorderen Teil des Helis und fixierte sie. Nun war alles getan um abzuheben. Ich entfernte mich zwei Schritte und legte entschlossen den Schalter für den Motor um. Die Rotorblätter drehten sich immer schneller und mit steigender Drehzahl entferne ich mich immer weiter von diesem kreischenden Gebilde. Mein Puls erreichte neue Rekordwerte und nur meine Frau schien äußerst gelassen zu sein so wie sie sich gegen den Wagen lehnte. Die Drehzahl erreicht ihren Höhepunkt und der Hubschrauber wartete auf einen Befehl. Mit zittrigen Fingern gab ich ein wenig Pitch und Hubi hob ab. Gefühlte zwei Meter die aber nur 10 cm waren. Ich setzte wieder sanft auf und wollte es ein weiteres Mal probieren als es einen lauten Knall gab und sich die Rotorblätter in der Gegend verteilten ohne Schaden zu nehmen. Geistesgegenwärtig schaltete ich den Motor aus. Es wurde still … man schaute an sich herunter ob man was abbekommen hat. Wir sind o.k . Niemanden ist etwas passiert außer Hubi. Der sah etwas komisch aus so ohne Hauptrotorblätter. Ich entfernte den Akku und meine Frau fragte gleich „Was ist denn passiert?“
Gute Frage?!
Ich konnte und wollte keine Antwort geben. Ich war einfach nur stinke sauer auf diesen Flieger aus dem Ösiland… gebaut von einem Profi ... ja, nee is klar.
Ich sammelte mal wieder alles ein bevor irgendwelche Zuschauer mir ihr Mitgefühl aussprechen. Alles nur hastig ins Auto und ganz schnell diesen verfluchten Platz verlassen. Auch dieses Mal gab es im Auto ein beängstigendes Schweigen. Zu Hause angekommen gab es das gleiche Ritual wie schon bei Wolly. Schnell alles ins Haus gebracht so dass die Nachbarn nichts bemerken. Ich war sehr erregt und gleichzeitig höchst interessiert warum die Rotorblätter abflogen ohne irgendetwas zu berühren. Der Fehler wurde schnell gefunden. Die Halteschraube war nicht mit Sicherungslack versehen und der Rotorkopf war verkehrt zusammen gebaut worden. Dieses konnte ich erkennen da die Lager mit den Scheiben und Gummis noch am Blatthalter hingen. Dieser Umstand sorgte bei mir für eine komische Erleichterung. Es war nicht mein Fehler, ich habe es aber nicht geprüft und ein angeblicher Profi soll dieses Teil montiert haben. Ich erfasste den Schaden, der doch sehr überschaubar war und mit 60 € zu Buche schlug. Ich bin nicht schuld rief ich meiner Frau zu die gerade versuchte ein leckeres Essen zu zaubern um mich zu beruhigen.
Wie - du bist nicht Schuld? Fragte sie ihren Bruchpiloten.
Nein, der Heli war nicht richtig montiert worden….!
Da konntest du doch nichts zu!
Genau!
Es war klar … das war was anderes. Es hat nichts mit Wolly zu tun. Wolly war mein Fehler aber hier war es ein österreichischer Monteur.
Die Ersatzteile wurden gleich hastig bestellt und montiert. Da stand er wieder auf dem Couchtisch.Wie am ersten Tag aber dieses Mal habe ich alles überprüft. Nun übte ich die ersten Hopser im Garten der so gerad groß genug war um das schweben zu testen. Es dauerte auch nicht lange und ich hatte die ersten Sekunden schweben geschafft. Es wurde Herbst und mein größtes Projekt wurde gestartet. An das Reihenhaus wurden eine Garage sowie ein Wintergarten gebaut und meine Frau war im dritten Monat schwanger. Der Heli musste eine Zwangspause in meinem Hobbykeller verbringen, denn nun standen wichtigere Dinge im Raum. Im Frühjahr 2012 war es dann soweit. Nach vielen Stunden am Simulator und auf der Baustelle wurde ein kleiner Erdenbürger geboren. Magnus sollte er heißen. Magnus der Große… so wie der römische Feldherr. Ich verbrachte das ganze Jahr damit die Bauarbeiten zu beenden. Die Garage wurde sehr groß und mir kam recht früh in der Bauphase die Idee, dass ich mir doch eine wunderbare Trainingshalle gebaut hatte. Die Garage war knapp 9 m tief und 5 m breit. Ein idealer Ort mit so einem Hubschrauber zu üben. Im Spätsommer war es dann soweit und ich montierte das sogenannte Idiotengestell oder auch Landehilfe unter meinem Heli. Dieses Gestell war aus einem Kreuz aus Fiberglasstangen mit Schaumstoffbällen versehen und vergrößerte nur die Grundfläche vom Heli. Durch dieses Gestell konnte er nicht so schnell umkippen. Alles war bereit und dieses Mal war ich ganz allein. Nur ich und der Heli im gleisend hellen Neonlicht. Das Rolltor von der Garage war geschlossen. Keine Zuschauer… nichts. Ich startete den Heli nach den üblichen Check. Ich gab vorsichtig Pitch, so dass er abheben muss und er


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Das bin Ich / Wie alles anfing